»Wahrlich, einem Herzen wie diesem ziemte kein geringeres Grab als ein goldenes.«
Boccaccio, Das Dekameron
Im Jahre 1348 verwüstet der schwarze Tod den Kontinent. Zu Beginn des Dekameron beschreibt Giovanni Boccaccio dessen Auswirkungen auf seine Heimatstadt Florenz. Während die einen tot auf der Straße zusammenbrechen, sterben die anderen in der Einsamkeit ihres Hauses – von ihren Familien verlassen.
»Dabei wurden dann die Verstorbenen mit keiner Kerze, Träne oder Begleitung geehrt, vielmehr war es so weit gekommen, daß man sich nicht mehr darum kümmerte, wenn Menschen starben, als man es jetzt um den Tod einer Geiß täte. Woraus denn gar deutlich wird, daß ein geduldiges Hinnehmen der Ereignisse, welches der gewöhnliche Lauf der Welt durch kleines und seltenes Unglück auch den Weisen nicht zu lehren vermag, durch die Größe des Elends auch den Einfältigen mitgeteilt werden kann. Da für die große Menge Leichen, die, wie gesagt, in jeder Kirche täglich und fast stündlich zusammengetragen wurden, der geweihte Boden nicht langte, besonders wenn man nach alter Sitte jedem Toten eine besondere Grabstätte hätte einräumen wollen, so machte man, statt der kirchlichen Gottesäcker, weil diese bereits überfüllt waren, sehr tiefe Gruben und warf die neu Hinzukommenden in diese zu Hunderten. Hier wurden die Leichen aufgehäuft wie die Waren in einem Schiff und von Schicht zu Schicht mit ein wenig Erde bedeckt, bis die Grube bis zum Rand voll war.«
Boccaccio, Das Dekameron
Und so beginnt das Dekameron. Sieben junge Frauen – Pampinea, Filomena, Neifile, Fiammetta, Elissa, Lauretta und Emilia – treffen sich nach der Messe. Pampinea, die Älteste, schlägt vor, der Stadt zu entfliehen um sich auf einem Anwesen auf dem Land niederzulassen. Die anderen stimmen zu, empfehlen aber noch Männer mitzubringen. Filostrato, Dioneo und Panfilio schließen sich den Frauen an und gemeinsam machen sie sich bei Morgengrauen auf den Weg aufs Land.
Um Streitereien und Unmut vorzubeugen einigen sie sich auf eine Routine. Den ersten Teil des Tages verbringen sie mit Spaziergängen, singen, tanzen und dem gemeinsamen Essen. Es wird beschlossen, dass jeder von ihnen die Regierung als König oder Königin des Tages übernimmt. Am Nachmittag trifft man sich und jeder erzählt eine Geschichte zum Thema des Tages, das festgelegt wurde. Für vierzehn Tage beschließen sie, auf dem Land zu bleiben um danach in die Stadt zurückzukehren. In diesen vierzehn Tagen wollen sie keine Neuigkeiten von der Außenwelt erhalten, seien sie weder gut noch schlecht.
Der nahe Tod inspiriert die Erzählungen in Boccaccios Dekameron. Die Brigata (die sieben Frauen und drei Männer) nimmt Zuflucht auf dem Land, wo sie sich der Illusion vom Schutz vor der überwältigenden mentalen und physischen Belastung der von der Pest gepeinigten Gesellschaft, aus der sie fliehen, hinzugeben vermag. Sie ordnen ihre Tage mit Unterhaltung und Ablenkung während der Tod im Hintergrund lauert.
Mit 10 lebensgroßen Puppen und 26 Schauspielern kreieren Theda und Julian Nilsson-Eicke und ihr Team eine große Installation für das Berliner Ensemble, in der sie die 100 Novellen des Dekameron durchspielen.
Susu AbdulMajid, Christian Behrend, Juan Corres Benito, Bishop, Lena Bösch, Lioba Breitsprecher, Pierre Emö, Mario Gaulke, Robin Jentys, Franziska Kleinert, Jens Urbanczyk-Lassak, Jennifer Lau, Peter Luppa, Lilly Menke, Carlotta Meyer, Marian Mutschlechner, Theda Nilsson-Eicke, Julian Nilsson-Eicke, Rosario Noviello, Ute Reintjes, Sebastian Rohrbach, Zora Schemm, Annalena Thielemann, Sebastian Urbanski, Laurean Wagner, Nele Winkler, Michael Wittsack und Pia Wurzer
Theda Nilsson-Eicke
Theda und Julian Nilsson-Eicke
Theda Nilsson-Eicke, Julian Nilsson-Eicke und Giovanni Boccaccio
Clara Topic-Matutin
Theda und Julian Nilsson-Eicke
Jacob Suske
Sara Mathiasson
Mayan Frank
Lena Bösch
Anton Krause und Ronja Grüninger
Carolina Maria Duarte
Isabel Waluga
Sebastian Rohrbach
Clemens Bülow
Carlotta Meyer, Tom Schneider, Nadine Scharsitzke und Clemens Bülow
Sarah Spitta
Latex Lucifer
Christian Behrend, Luca Fuchs, Florian Hetz, Matthias Koslik, Latex Lucifer, Carlotta Meyer und David Neman